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Trinken: Hören Sie auf Ihr Durstgefühl

Ohne Nahrung kann der Mensch bis zu zwei Monate leben, ohne Wasser nur wenige Tage. Woran Sie erkennen, dass Ihr Körper Flüssigkeit braucht und welche Getränke wirklich den Durst löschen
von Bastian Fersch, 24.10.2012

Trinken ist lebenswichtig: Unser Körper braucht Flüssigkeit

Fotolia/Wavebrakemedia

Unser Körper besteht zu circa 60 Prozent aus Wasser, unser Gehirn sogar zu rund 80 Prozent. Durch Ausscheidungen und über die Haut gehen bei einem erwachsenen Menschen pro Tag rund 2,5 Liter verloren – also muss diese Menge auch wieder aufgenommen werden: 1,5 Liter über Getränke, den Rest nehmen wir in der Regel automatisch über feste Nahrung zu uns.

Wie viel Flüssigkeit der Körper täglich braucht

Gesunde Erwachsene sollten also mindestens 1,5 Liter Wasser täglich trinken, besser wäre jedoch mehr: "Die Faustregel für die richtige Trinkmenge lautet bei Gesunden 30 bis 40 Milliliter Wasser pro Kilogramm Körpergewicht", erklärt Markus Seewald, Ernährungswissenschaftler und Professor an der Hochschule Anhalt in Bernburg in Sachsen-Anhalt. Wenn Sie 50 Kilogramm auf die Waage bringen, wären also durchschnittlich zwei Liter Wasser die tägliche Trinkmenge für Sie. Bei 75 Kilogramm sind es 2,3 bis 3 Liter. Wichtig: Wer chronisch krank ist – beispielsweise an Nieren- oder Herzkrankheiten leidet – muss die Trinkmenge eventuell reduzieren. Hier gilt: Das individuell passende Maß mit dem Arzt absprechen.

Wann sollte ich wie viel trinken?

Nicht sinnvoll ist es, die empfohlene Trinkmenge in großen Portionen runterzuschütten – Trinken auf Vorrat funktioniert nicht: Unser Darm kann nur etwa 500 bis 800 Milliliter Wasser pro Stunde aufnehmen, der Rest wird einfach wieder ausgeschieden. Ein kleines Glas pro Stunde ist also optimal. So versorgen Sie Ihren Körper nicht nur konstant mit Flüssigkeit – Sie kommen über den Tag verteilt auch auf die richtige Trinkmenge. Werden Sie sensibel für Ihr Durstgefühl, der Körper meldet sich im Normalfall frühzeitig.

Wann ist mein Flüssigkeitsbedarf erhöht?

Wie viel Flüssigkeit wir brauchen, ist unter anderem abhängig von der Außentemperatur und unserer körperlichen Aktivität. Bei anstrengendem Sport oder großer Hitze brauchen wir schnell mehrere Liter – weil wir mehr schwitzen und so viel Flüssigkeit verlieren. Auch Durchfall oder Erbrechen entziehen dem Körper Wasser.

Woran merke ich, dass ich zu wenig getrunken habe?

Mit zunehmendem Alter lässt das Durstempfinden häufig nach. Zu den Anzeichen zählen Mundtrockenheit und dickflüssiger Speichel, Verstopfung, Appetitlosigkeit sowie Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Auch Verwirrtheit und geistige Ausfallerscheinungen sind mögliche Folgen. "Ein Flüssigkeitsmangel zeigt sich in einer eingeschränkten geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit", sagt Markus Seewald.

Ein weiteres Zeichen für Flüssigkeitsmangel: Der Körper scheidet weniger Urin aus als üblich. Zudem ist der Harn dunkler gefärbt. "Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn Sie täglich etwa einen bis anderthalb Liter Urin ausscheiden", sagt Seewald. Bei deutlich kleineren oder viel größeren Mengen über einen längeren Zeitraum wenden Sie sich unbedingt an Ihren Arzt!

Noch ein aufschlussreicher Test: Ziehen Sie eine Hautfalte hoch, beispielsweise am Unterarm: "Bleibt diese nach dem Loslassen kurzzeitig stehen, statt sich sofort wieder zu verstreichen, können Sie davon ausgehen, dass sie bereits über einen längeren Zeitraum zu wenig getrunken haben", erklärt Seewald.

Wichtig: Für ältere Menschen, aber auch für Säuglinge und Kleinkinder wird ein Flüssigkeitsmangel schnell gefährlich. Hier heißt es also: Rasch reagieren und im Zweifel ärztlichen Rat einholen.

Welche Getränke stillen wirklich den Durst?

Das ideale Getränk kommt schlichtweg aus der Leitung: "In Deutschland hat Leitungswasser meist sehr gute Werte und ist daher fast immer zu empfehlen", so Seewald. Achten Sie bei Wasser aus dem Supermarkt darauf, dass es möglichst natriumarm ist.

Soll es etwas mehr Geschmack sein, eignen sich auch ungesüßte Tees prima. Übrigens: Teein- oder koffeinhaltige Getränke wie schwarzer und grüner Tee oder Kaffee helfen entgegen vieler Gerüchte durchaus, dem Körper Flüssigkeit zu ersetzen. An dem Gerücht, Kaffee oder Tee entziehe dem Körper Wasser, ist nichts Wahres dran.

Getränke mit hohem Zuckergehalt empfehlen sich weniger als Durstlöscher, denn sie liefern gleichzeitig sehr viele Kalorien. So gelten beispielsweise Fruchtsäfte als vitaminreich und deshalb gesund. Doch wer sie unverdünnt trinkt, nimmt ordentlich Kalorien auf. Tipp: einfach mit Wasser verdünnt als Fruchtsaftschorle genießen. Je weniger Zucker, desto besser die Flüssigkeitsbilanz.

Auch Alkoholhaltiges – etwa Likör – ist nicht geeignet, den Durst zu löschen. Milch ist ebenfalls sehr energiereich und besitzt einen Fettanteil von mehr als drei Prozent. Markus Seewald rät: "Die gesunden Inhaltsstoffe wie etwa das wertvolle Kalzium erhalten Sie übrigens auch aus fettarmer Milch."



Bildnachweis: Fotolia/Wavebrakemedia

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